Laudatio von Dr. Ingo Friedrich anlässlich der Verleihung des "Prix du Mérite Européen in Gold" an Herrn Rolf Baron Vielhauer von Hohenhau
Es ist mir eine besondere Ehre und Freude, heute die Laudatio auf Rolf Baron von Hohenhau anlässlich seiner Auszeichnung mit dem "Prix du Mérite Européen in Gold" halten zu dürfen.
Die luxemburgische Stiftung "Mérite Européen" hat sich mit Ihrer Auszeichnung in Bronze, Silber und Gold zum Ziel gesetzt, engagierte Europäer zu ehren, die sich für die "Vereinigung der europäischen Völker in Freiheit, Frieden und Brüderlichkeit einsetzen und weiter an der Entwicklung eines europäischen Bewusstseins arbeiten, das Voraussetzung für die Gestaltung des freien, demokratischen und geeinten Kontinents ist."
Erlauben Sie mir, dass ich bereits an dieser Stelle vorwegnehme, dass Herr Rolf Baron von Hohenhau ein äußerst würdiger Preisträger dieser Auszeichnung in Gold ist. Der Kabarettist Matthias Beltz hat Europa einmal wie folgt definiert: "Europa ist wie eine Wohngemeinschaft: jeder greift in die Haushaltskasse und keiner trägt den Müll runter." Dieses Klischee kann man mit dem Leben und Wirken des heutigen Preisträgers nicht bedienen.
Durch sein jahrzehntelanges Engagement für die bayerischen, deutschen und europäischen Steuerzahler hat Baron von Hohenhau im Gegenteil vielmehr dafür gesorgt, dass die Haushaltskasse der Europäischen Union nicht über Gebühr belastet wird. Daneben hat er durch seinen enormen persönlichen Einsatz in vielerlei Hinsicht - um mit dem Bild zu sprechen - sozusagen auch den Müll runter getragen.
Im Jahr 2002 hat Rolf Baron von Hohenhau in einem Interview mit dem Bayerischen Fernsehen über seine Ehrenämter im Bayerischen und Europäischen Steuerzahlerbund folgendes gesagt: "Bei mir ist das schon ein wenig mehr als ein Ehrenamt, weil ich ja in dieser Tätigkeit voll aufgehe." Diese Aussage beschreibt, mit wie viel Herzblut der heutige Preisträger zum Wohle Europas und seiner Bürger aktiv ist.
Von 1979 bis 1980 war er Regionalverbandsvorsitzender des Bundes der Steuerzahler Bayerns, von 1980 bis 1983 Vizepräsident und seit 1983 ist er dessen Präsident. In den Jahren 1985 bis 1986 war er Kassenprüfer der "Taxpayers Association of Europe (TAE)". Vor 20 Jahren wurde er zum Präsidenten des Europäischen Steuerzahlerbundes gewählt. Ein Amt, das Herr von Hohenhau bis heute inne hat. Dieses Engagement setzte er auch auf Welt-Ebene fort: 1986 war er Gründungsinitiator der "World Taxpayers Association (WTA)" und bis 1988 Vorsitzender der entsprechenden Gründungsversammlung. Schließlich war er von 1988 an 14 Jahre Vizepräsident dieses Weltverbandes.
Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang bleiben, dass der heutige Preisträger seit 1998 Gründungs- und Vorstandsmitglied des "European Taxpayers Institute of Public Finance" in Köln ist. Diese Ehrenämter sind aber nur äußeres Zeichen für das Engagement Rolf von Hohenhaus. So hat er viele der jungen Steuerzahlerorganisationen, insbesondere in osteuropäischen Ländern, wie in Ungarn und Polen aber auch in Österreich und Kroatien mitbegründet und damit einen echten Beitrag zu Integration und Verständigung in Europa geleistet. Zudem hat er viele der kleinen Organisationen über den bayerischen und europäischen Bund der Steuerzahler kostenlos geschult und auf Anfrage betreut.
Dieses persönliche Engagement hat sich auch darin gezeigt, dass er besonders die Organisationen aus den kleinen europäischen Ländern bei Pressekonferenzen und Arbeitsgesprächen mit politischen Entscheidungsträgern in Brüssel unterstützte, um deren Gewicht und Bedeutung im europäischen Meinungsbildungsprozess zu erhöhen.
Vor diesem Hintergrund hat Rolf von Hohenhau es nicht bei der Theorie belassen, sondern er hat auch unmittelbaren Einsatz vor Ort in Brüssel gezeigt. Lassen Sie mich schlagwortartig einiges nennen:
- Aktionen zur Korruptionsbekämpfung
- Forderung nach der Schaffung eines EU-Staatsanwaltes und der Schaffung des Straftatbestandes der Amtsuntreue
- Stärkung des Europäischen Rechnungshofes und der Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF
- Reform der EU-Finanzen
- Eröffnung eines TAE-Büros in Brüssel
- Verleihung des Europäischen Steuerzahlerpreises
- Begrenzung und Abschaffung der Exportprämien für Schlachtrinder
- ... und vieles mehr.
Als "Wächter und Mahner" hat sich Rolf Baron von Hohenhau nicht nur für die Steuerzahlerinteressen einen Namen gemacht. Er hat diese Rolle auch für die seit langem überfällige institutionelle Reform der EU-Organe immer wieder lautstark übernommen. "Europa muss voran kommen. Wir bewegen uns am Rande der Handlungsfähigkeit." Mit diesem Satz zitiere ich unseren Preisträger gerne, nicht nur, weil er damit Recht hat, sondern weil dieser Satz für seine ausgesprochen europäische Grundhaltung spricht.
Er hat früh erkannt, dass das Wandern der Souveränität gewissermaßen ein von der Natur vorgegebenes Phänomen ist und hat sich aus diesem Grund bereits sehr früh und mit Nachdruck für eine stärkere Stellung des Europäischen Parlaments eingesetzt. Als strenger Maßstab für diesen Transfer von Souveränität galt aber auch für ihn stets der richtige und wichtige Grundsatz der Subsidiarität. Nur mit subsidiären Strukturen ist die Europäische Union in der Lage, ein Europa der Bürger zu sein. Sie gestatten mir, dass ich an dieser Stelle betone, dass es nicht zuletzt auch aus diesem Grunde wichtig ist, die Inhalte des europäischen Verfassungsvertrags so schnell wie möglich umzusetzen.
Neben diesen institutionellen Aspekten hat er versucht, eine emotionale Bindung seiner Mitmenschen zu Europa zu schaffen und für gemeinsame europäische Werte einzutreten. Er wusste, dass die europäische Idee ohne einen europäischen Geist bei den Menschen dauerhaft nicht funktionieren kann. Die Herausbildung eines europäischen Bewusstseins und einer europäischen Identität bei den Bürgerinnen und Bürgern Europas war ihm deshalb ein immerwährendes Anliegen.
Für das europäische Herz in seiner Brust spricht auch seine bereits langjährige Mitgliedschaft in der Paneuropa-Union, in welcher er seit 1987 Bezirksvorstandsmitglied ist. Seit 1966 ist unser Preisträger Mitglied im Münchener Chapter der Gesellschaft für Internationale Entwicklung (Society for International Development - SID). Diese Gesellschaft ist die älteste internationale, politisch unabhängige und private Vereinigung von Personen, die sich den Aufgaben und Zielen der Entwicklungspolitik verpflichtet fühlen.
Diese Gesellschaft wurde 1957 gegründet und ist heute mit mehr als 10.000 Mitgliedern in 120 Ländern in 70 Chapters auf regionaler und lokaler Ebene organisiert. Baron von Hohenhau war unter anderem von 1973 bis 1976 im Präsidium der SID-Deutschland von 1975 bis 1978 als Vertreter Europas im Internationalen Präsidium in Washington.
In all seinem Streben und Wirken ist Rolf von Hohenhau durch und durch europäisch ausgerichtet. Das gilt auch für seine journalistische Tätigkeit. So ist er nicht nur seit 1980 im Bayerischen Journalistenverband aktiv, sondern seit dem Jahr 2001 auch Mitglied in der "Association des Journalistes Européens".
Antoine de Saint-Exupéry hat einmal gesagt: "Was die Zukunft anbelangt, so haben wir nicht die Aufgabe, sie vorherzusehen, sondern sie zu ermöglichen". Diese Maxime war für Rolf von Hohenhau stets Triebfeder für seinen unermüdlichen und außerordentlichen Einsatz für ein in Freiheit, Frieden und Brüderlichkeit geeintes Europa.
Deshalb darf ich Dir, lieber Rolf, hiermit meine herzlichsten Glückwünsche zu deiner heutigen hohen Ehrung mit dem Prix du Mérite Européen in Gold aussprechen!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!