Brüssel, Dienstag 12. August 2008
Das Gefährliche an Lafontaine
Warum ist die Botschaft Lafontaines für Deutschlands Zukunft so gefährlich? Weil er die großen Herausforderungen der Realität des 21. Jahrhunderts schlicht negiert, so als ob es sie nicht gäbe. Lafontaine gaukelt den Menschen ein Deutschland vor, in dem sich praktisch nichts ändern muß. Wenn nur mehr von den Reichen zu den Armen verteilt werden würde, könnte man bequem und ohne große Anstrengungen ein angenehmes Leben führen. Nur die gierigen Bosse, die Reichen und die Kapitalisten verhindern diesen Traum vom kleinen Paradies außerhalb des abgelehnten Prozesses der Globalisierung.
Lafontaine verkauft diese These wider besseren Wissens einer zum Teil gläubigen Zuhörerschaft. Er selbst weiß ganz genau mit welchem Tempo heute neue Technologien, neue Produkte und neue Leistungen und ein ständiges Besserwerden das Ranking der Nationen und Kontinente bestimmen. Er stärkt den falschen Glauben seiner Anhänger die Realität des 21. Jahrhunderts könne durch Abstimmungen und Programme weggezaubert werden. Zechensterben im Saarland muß nicht sein, Rentenalter sollte reduziert werden, billige Produkte müssen an den Grenzen gestoppt werden, was in China, Indien und Japan geleistet wird interessiert nicht.
Tatsache ist, dass ein Deutschland, das einem solchen Programm auch nur teilweise folgen würde, innerhalb kürzester Zeit weltweit zurückfallen würde. Mit immensen und alle Bürger treffenden Konsequenzen: weniger Export, neue Arbeitslosigkeit, keine neuen innovativen Energiesparprojekte.
Eine sinnvolle Zukunftsbewältigung für Deutschland – einem Land ohne Erdöl und ohne Rohstoffe – kann nur durch Entfesselung der besten Kräfte, der Zugpferde, ja der besten Ingenieure und Forscher und durch eine breite Bildung für alle erreicht werden. Wer nicht auch fordert, erliegt dem fröhlichen Charme des "inneren Schweinehundes", der meint es ginge auch mit weniger Leistung und ohne Anstrengung. Fordern und Fördern heißt die richtige Antwort. In diesem Sinne bleibt unstrittig die Notwendigkeit der Förderung der Schwächeren, der Alleinerziehenden, der Familien und der in Not geratenen Mitbürger. Aber diese Verpflichtung des Sozialstaates hat nichts zu tun mit dem von Lafontaine angestrebten Versetzen aller Maßstäbe nach unten. Die Maßstäbe werden heute in den meisten Bereichen durch die klein gewordene, vernetzte Welt und nicht mehr national gesetzt.
Weil es immer Menschen geben wird, die gerne glauben möchten, dass durch "mehr Gerechtigkeit" eigene Anstrengungen unnötig werden, Menschen die hoffen, dass die Globalisierung wie eine "Schlecht-Wetter-Front" vorüber zieht, hat er seine Anhänger. Eine Umsetzung der Politik Lafontaines in Deutschland würde aber Abstieg und Niedergang bedeuten. Auch die ehemals kommunistischen Länder haben diese Lektion längst gelernt. Aber manche bei uns nicht.